a) Geschichte der Ikonen

Die ersten Christen hatten weder Zeit noch Interesse an einer ihrem Glauben entsprechenden Kunst. Sie erwarteten jeden Tag den Untergang der Welt und die Wiederkehr Christi, wie es in der Bibel verheißen war. Die Wurzeln der Ikonenmalerei kann man trotzdem bis ins 4. Jahrhundert in den palästinisch-syrischen Raum zurück verfolgen und haben, technisch gesehen, durch die ägyptisch-hellenistischen Mumienporträts ihr erstes „Gesicht“ bekommen.
Aus diesen Grabbildnissen entwickelte sich die Gedächtnis-Ikone „Eikon“ (griech. „Bild als Abbild eines Urbildes“). Die ältesten erhaltenen Ikonen stammen aus dem 6. und 7. Jahrhundert, sie zeigen eine Mischung von spätägyptischen, spätantiken und byzantinischen Stilformen.
Während des Bilderstreits (725-843) sanktionierte der griechische Kirchenlehrer Johannes von Damaskus (gest. 750) die Bilderverehrung durch die Darlegung, dass nicht das Bild an sich, sondern das Urbild, an das es erinnere, verehrt werde: „Christus als Erdenmensch ist die Ikone Gott-Vaters“.

Durch das von Kaiserin Irene 787 einberufene Konzil von Nizäa und die 842 berufene Synode von Konstantinopel wurde der Bilderstreit endgültig beigelegt.
Die Ikonenmalerei und die Bildverehrung erlebten nunmehr einen gewaltigen Aufschwung und Konstantinopel war die Metropole. Hier versammelten sich am Hofe des Kaisers Künstler aus allen Gegenden des Abendlandes. Ihr Einfluss gab der orthodoxen Tafelmalerei das Gepräge.

Es entstanden Kulturzentren und Malschulen: Kiev war der erste Mittelpunkt,
im 11. Jahrhundert entstand Novgorod als zweites hoch bedeutendes Ikonenzentrum, Moskau entwickelte sich erst später.

Als die Osmanen 1453 Konstantinopel erstürmten, zerfiel das oströmische Reich und die meisten Ikonen wurden von den ungläubigen Plünderern zerstört.
Die Kunstzentren verlagerten sich auf den christlich gebliebenen Mittelmeerraum und auf Teile des Balkans. Auf Sinai und Kreta entstand 1450 – 1600 eine erfolgreiche Epoche der Ikonenmalerei. Malermönche, wie die vom Berg Athos, prägten das Bild ihrer Zeit.
Nachdem die Türken sich wieder aus den russischen Gebieten zurückgezogen hatten, lebte der Kult der Ikonenmalerei am Hofe des Zaren wieder auf und entwickelte sich erneut zu einer Blütezeit.

Während bei der Stroganov-Schule die Rückbesinnung auf die überlieferte Tradition erkennbar war, wandte sich die Mehrzahl der Künstler von der nüchternen, strengen Gestaltung ab. Die Ikone wurde eine gedrängte Komposition von Zentralthema, Nebenfiguren und Architektur. Überall entstanden Malschulen, sogar ganz Maldörfer. Klostermönche machten Laien mit der Technik der Ikonenmalerei vertraut und unterwiesen sie in die Arbeit, welche an sehr strenge religiöse Regeln gebunden war.

Seit dem 16. Jahrhundert spricht man schon von den Zünften der Ikonenmaler, im 17. Jahrhundert wird das Ikonen-Amt geschaffen und im 19. Jahrhundert findet man in Russland große Unternehmer-Werkstätten.