b) Technik und Herstellung
Je nach Vegetationsbeschaffenheit wurden verschiedene Holzarten zum Malen einer Ikone benutzt, vorzugsweise verwendete man aber Linde oder Tanne. Für die Anfertigung einer Ikone von großen Ausmaßen nahm man mehrere Bretter, die durch eingelassene und übereinander gelegte Holzpflöcke und Querstangen auf der Rückseite zusammengehalten wurden. Auf der Vorderseite hob man eine flache Mulde aus, um so eine Art Reliefrahmen zu erhalten. Dann klebte man auf die Oberfläche des Brettes eine Leinwand, die man mit Levkas bestrich, einer Mischung aus tierischem Leim und Alabaster oder zerstoßener Kreide. Darauf skizzierte man die Zeichnung, die dann „a tempera“ (lat. = richtiges Mischen) mit in Bindemittel (Ei, Honig, Bier, Molke, Feigenmilch) angerührten Farben koloriert wurde. Die Farben waren rein oder gemischt, in verschiedenen Nuancen und man sparte nicht mit der Vergoldung.
Die größte Herausforderung war die Ausmalung des „Inkarnates“ (die nicht von Kleidern bedeckten Körperteile). Schicht für Schicht wurde die Farbe aufgebaut, bis die optimalste Ausstrahlung erreicht war.
Zum Schutz vor Verwitterung überzog man die Ikone mit einem Firnis, dem Bernstein beigemischt wurde.
Da in der Ikonenmalerei alle Farben ihre besondere Bedeutung haben, hierzu noch einige Erläuterungen:
Neben Rot – Weiß – Grün – Blau – Gelb – Braun und Schwarz wurde viel Gold und Goldsilber verwendet.
Gold nahm allgemein eine Sonderstellung ein: es bedeutete Licht und Glanz.
Vielfach wurde der gesamte Hintergrund in Gold gestaltet; feine Goldlinien erzeugten bei der Ausmalung von Gewändern einen besonderen Effekt; diese Malart nennt man „Chrysographie“.
Rot war die Farbe, welche von den Slaven besonders geliebt wurde. Es ist außerdem eine heilige Farbe, da sich mit ihr der Gedanke der Passion verbindet.
Das aus Persien stammende Zinnoberrot fand man als Grundton bei Königsgewändern. Weitere Rottöne waren Scharlach, Purpur und das Blaurot. Als Gegenfarbe zu Rot setzte man das Blau, die himmlische Farbe – sie ist auch das Symbol der Reinheit. Bekannt waren das Indigo sowie Lasar (Ultramarin) und das Wisson (ein Dunkelblau/Violett).
Eine besonders wichtige Farbe war auch das „Pracelen“, ein transparentes Grün (kupferhaltiger Absud als Erbsen). Es diente zur Ausmalung von Kleiderfarben und zur Reflexion.
Schwarz war die Farbe der Angst und des Todes, jedoch nicht der Aussichtslosigkeit; sie galt zugleich immer auch als Symbol der Erlösung.
Sehr wertvolle oder besonders geschätzte Ikonen versah man mit einem Oklad, einer Art Schutzhülle oder Beschlag, bestehend aus Silber oder einem anderen Metall.
Was ursprünglich zum Schutz und zur Würdigung der Ikone gedacht war, wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zum Selbstzweck. Berühmte Gold- und Silberschmiede schufen aufwendige Oklade, teils sogar mit Edelsteinen besetzt, und ließen dazu Ikonen anfertigen.
Ikonenmaler erfanden ihr Sujet nicht selbst, sondern folgten den biblischen Vorgaben. Eine sorgfältig ausgeführte Ikone ist, aufgrund der vielen Arbeitsgänge sowie der erforderlichen Geduld und Kunstfertigkeit, ein Werk von vielen Monaten.
Und da sie letztlich der göttlichen Offenbarung dient, wurde vom Maler ein vorbildlicher Lebenswandel ebenso erwartet wie die Beständigkeit im Gebet, obgleich er Mönch oder Laie war.